Mastodon Mastodon Mastodon Mastodon

VU#718077: Eingebaute UEFI Shell in der Firmware wird zur Umgehung von Secure Boot auf Servern und PCs genutzt

Foto des Autors

CyberSecureFox Editorial Team

Veröffentlicht:

CERT/CC hat die Schwachstelle VU#718077 veröffentlicht, die eine Methode zur Umgehung von UEFI Secure Boot über die in den SPI-Flash der Plattform integrierte UEFI Shell beschreibt. Ein Angreifer, der in der Lage ist, zusätzliche UEFI-Start­einträge zu erstellen, kann die UEFI Shell selbst bei aktiviertem Secure Boot starten und ihre Befehle zum Direktzugriff auf den Speicher nutzen, um die Vorstartumgebung zu modifizieren und beliebigen Code vor dem Start des Betriebssystems auszuführen. Das Problem betrifft Produkte mehrerer Hersteller – Cisco, AMI (GIGABYTE) und Insyde – und erfordert ein Firmware-Update des jeweiligen Plattformanbieters.

Wesenskern der Schwachstelle und Angriffsmechanismus

UEFI Shell ist eine Kommando­oberfläche, die zur UEFI-Spezifikation gehört und im Projekt TianoCore EDK II implementiert ist. Viele OEM-Hersteller und unabhängige BIOS-Anbieter (IBV) binden UEFI Shell zu Service- und Diagnosezwecken in den SPI-Flash ein. Die Shell stellt die Befehle dmem (Speicherlesen) und mm (Speichermodifikation) bereit, die direkten Zugriff auf den physischen Speicher des Systems in der Phase vor dem Laden des Betriebssystems ermöglichen.

Der Standard­schutz sieht vor, den UEFI-Start­eintrag für die UEFI Shell bei aktivem Secure Boot zu entfernen oder zu unterdrücken. Forscher Stas Lyakhov von Eclypsium hat jedoch herausgefunden, dass ein Angreifer, der zusätzliche UEFI-Start­einträge anlegen kann, diese Kontrolle umgehen kann, indem er redundante Einträge erstellt, die auf die integrierte Shell verweisen. Nach dem Start der UEFI Shell kann der Angreifer deren Skript­funktionen (Autostart-Skripte) und Befehle zur Speichermodifikation nutzen, um Werte zu überschreiben, die mit Secure Boot in Zusammenhang stehen, und nicht autorisierten Code auszuführen.

Betroffene Produkte und CVE

Die Schwachstelle umfasst mehrere hersteller­spezifische Implementierungen, von denen jede eine eigene CVE-Kennung erhalten hat. Es handelt sich nicht um ein einheitliches, universelles Problem, sondern um eine Reihe konfigurations­abhängiger Schwachstellen:

  • CVE-2026-20293 – nach Angaben von CERT/CC sind Cisco UCS-Server und UCS-basierte Geräte betroffen. Cisco hat einen separaten Sicherheitshinweis veröffentlicht. Zuvor haben wir bereits über Schwachstellen in Cisco-Produkten berichtet.
  • CVE-2026-33197 – laut der über CERT/CC verbreiteten Erklärung von GIGABYTE steht diese Schwachstelle mit einem logischen Fehler im Modul AMI Aptio UEFI BDS in Zusammenhang. Ein Fehler im Prozess des Löschens des Shell-Start­eintrags ermöglicht das Anlegen doppelter Einträge, wodurch die Secure-Boot-Prüfung umgangen und beliebiges Lesen und Schreiben im physischen Speicher ermöglicht wird.
  • CVE-2026-6485 – laut Insyde sind die meisten Systeme mit Insyde BIOS nicht betroffen. Verwundbar sind nur Konfigurationen, in denen UEFI Shell in Bereichen des Systemcodes enthalten ist, die bei aktivem Secure Boot für die Ausführung freigegeben sind. Insyde bewertet diese Schwachstelle mit einem CVSS-Wert von 8.2. Diese Bewertung bezieht sich ausschließlich auf CVE-2026-6485 und darf weder auf andere CVEs noch auf den übergreifenden Hinweis VU#718077 übertragen werden.

Eine zentrale Voraussetzung für die Ausnutzung: UEFI Shell muss physisch in der Firmware oder in einem für die Ausführung freigegebenen Bereich des Systemcodes vorhanden sein, und der Angreifer muss die Möglichkeit haben, UEFI-Start­einträge zu modifizieren. Die Aktivierung von Secure Boot allein bietet keinen ausreichenden Schutz, wenn diese Bedingungen erfüllt sind.

Folgen einer Ausnutzung

Code, der in der Vorstartphase ausgeführt wird, läuft vor der Initialisierung des Betriebssystems und seiner Schutz­mechanismen. Laut CERT/CC kann eine erfolgreiche Ausnutzung zu Folgendem führen:

  • Laden bösartiger Komponenten auf Kernel-Ebene, die Neustarts überdauern und in manchen Fällen sogar eine Neuinstallation des Betriebssystems
  • Verringerung der Wirksamkeit von Schutz­mechanismen auf OS-Ebene, einschließlich EDR-Lösungen
  • Einrichtung eines dauerhaften Zugriffs auf das System durch Modifikation der Vorstartumgebung

Derzeit ist laut den betrachteten Quellen nicht bestätigt, dass VU#718077 in realen Angriffen aktiv ausgenutzt wird.

Empfehlungen zum Schutz

Die Beseitigung der Schwachstelle erfordert ein UEFI-Firmware-Update des jeweiligen Plattformherstellers. Es handelt sich nicht um ein Standard-Update des Betriebssystems – der Prozess kann OEM-spezifische Tools und eigene Rollout-Prozeduren erfordern. CERT/CC empfiehlt:

  • Firmware-Updates anwenden, die vom Plattformanbieter bereitgestellt werden, und dabei dessen Anweisungen zur Bereitstellung zu befolgen
  • Eine Inventarisierung durchzuführen – feststellen, ob UEFI Shell in der Firmware Ihrer Systeme vorhanden ist. Das Vorhandensein der integrierten Shell ist eine notwendige Voraussetzung für die Ausnutzung
  • Überwachung der UEFI-Start­einträge einrichten – Änderungen in der Boot-Konfiguration, wo technisch möglich, verfolgen und prüfen
  • Secure-Boot-Richtlinien überprüfen – sicherstellen, dass die Plattformkonfiguration die unautorisierte Erstellung von Start­einträgen nicht zulässt

Ein aktivierter Secure-Boot-Indikator allein garantiert keinen Schutz vor dieser Schwachstelle. Vorrangig sollten das Vorhandensein von UEFI Shell in der Firmware sowie die Kontrolle über die Start­einträge geprüft werden. Organisationen, die Cisco UCS-Server, auf AMI Aptio basierende Plattformen oder Systeme mit Insyde BIOS einsetzen, sollten sich an die jeweiligen Hersteller wenden, um Firmware-Updates zu erhalten und diese in bestehende Prozesse für das Firmware-Lifecycle-Management zu integrieren.


CyberSecureFox Editorial Team

Die CyberSecureFox-Redaktion berichtet über Cybersecurity-News, Schwachstellen, Malware-Kampagnen, Ransomware-Aktivitäten, AI Security, Cloud Security und Security Advisories von Herstellern. Die Beiträge werden auf Grundlage von official advisories, CVE/NVD-Daten, CISA-Meldungen, Herstellerveröffentlichungen und öffentlichen Forschungsberichten erstellt. Artikel werden vor der Veröffentlichung geprüft und bei neuen Informationen aktualisiert.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.