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SS7-Angriff

Aktualisiert: · CyberSecureFox Editorial Team

Ein SS7-Angriff nutzt Schwächen im Signalling System No. 7 aus, der Protokollfamilie, mit der Netzbetreiber Anrufe und SMS vermitteln, um Telefone zu orten, Nachrichten abzufangen oder Anrufe umzuleiten.

Wie SS7-Angriffe funktionieren

SS7 wurde in den 1970er-Jahren für einen geschlossenen Kreis staatlicher Telefongesellschaften entworfen, die einander vertrauten. Es gibt keine starke Authentifizierung des Absenders einer Signalisierungsnachricht. Heute haben weltweit Hunderte Netzbetreiber, Roaming-Hubs und Dienstleister Zugang zum Netz, und der Zugang lässt sich auch kaufen oder über einen kompromittierten Betreiber erlangen. Damit kann ein Angreifer:

  • den Standort eines Teilnehmers anhand der Telefonnummer abfragen;
  • die Nummer des Opfers bei einem gefälschten „Roaming“-Netz anmelden und dessen SMS empfangen, einschließlich Einmalpasswörtern;
  • Anrufe als Man-in-the-Middle weiterleiten oder mithören;
  • den Dienst eines Teilnehmers stören.

Die Forscher Tobias Engel und Karsten Nohl demonstrierten Ortung und Abhören im Dezember 2014 öffentlich auf dem Chaos Communication Congress. Das in 4G-Netzen verwendete Diameter-Protokoll hat ähnliche Vertrauensprobleme.

Warum SS7-Angriffe gefährlich sind

2017 kombinierten Kriminelle in Deutschland Phishing mit SS7-Angriffen, um per SMS versandte TANs abzufangen und Bankkonten von Opfern leerzuräumen – ein realer Beweis, dass sich SMS-basierte Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen lässt, ohne das Telefon anzurühren. SS7-Ortung wird zudem von Überwachungsfirmen an Regierungen angeboten und wurde gegen Journalisten und Aktivisten eingesetzt. Anders als beim SIM-Swapping bemerkt das Opfer oft nichts.

So schützen Sie sich vor SS7-Angriffen

  • Für wichtige Konten Authenticator-Apps, Push-Bestätigung oder FIDO2-Sicherheitsschlüssel statt SMS-Codes bevorzugen.
  • Für vertrauliche Kommunikation Ende-zu-Ende-verschlüsselte Messenger und Anrufe nutzen.
  • Netzbetreiber sollten Signalisierungs-Firewalls einsetzen und die Sicherheitsrichtlinien der GSMA für SS7 und Diameter befolgen.
  • Banken und Dienste sollten vor dem Versand von Codes auf verdächtige SIM- und Roaming-Änderungen achten.
Synonyme:
SS7-Attacke, SS7-Schwachstelle, SS7-Lücke