Spear-Phishing ist eine gezielte Form des Phishings, bei der Angreifer eine persönlich zugeschnittene Nachricht an eine bestimmte Person oder Organisation senden, um Zugangsdaten zu stehlen oder Malware einzuschleusen.
Wie Spear-Phishing funktioniert
Massen-Phishing verschickt dieselbe Nachricht an Millionen Adressen. Spear-Phishing beginnt mit Recherche: Angreifer nutzen OSINT – LinkedIn-Profile, Unternehmenswebsites, Pressemitteilungen, geleakte Daten –, um Namen, Rollen, Projekte und Lieferanten zu ermitteln. Die Nachricht wirkt dann wie normale Geschäftskorrespondenz: eine Rechnung eines bekannten Partners, eine Bewerbung auf eine offene Stelle, ein geteiltes Dokument einer Kollegin oder eine Anweisung der Geschäftsführung. Richtet sich der Angriff an Top-Manager, spricht man oft von Whaling.
Die E-Mail kann einen schädlichen Anhang, einen Link auf eine gefälschte Login-Seite oder schlicht die Bitte um eine Überweisung enthalten – wie bei Business Email Compromise.
Bekannte Fälle
- RSA (2011) – eine Excel-Datei namens „2011 Recruitment Plan“ nutzte eine Zero-Day-Lücke aus und führte zum Diebstahl von SecurID-Daten.
- US-Wahl 2016 – eine gefälschte Google-Sicherheitswarnung an John Podesta verschaffte Angreifern Zugriff auf sein Postfach.
Warum Spear-Phishing wichtig ist
Spear-Phishing ist die bevorzugte Methode für den Erstzugang von APT-Gruppen und wird zunehmend auch von Ransomware-Banden genutzt. Personalisierte Nachrichten sind deutlich überzeugender als Spam, und KI-Werkzeuge erleichtern es, sie in jeder Sprache zu formulieren.
Schutzmaßnahmen
- Mitarbeitende mit realistischen, rollenspezifischen Beispielen schulen.
- Phishing-resistente MFA einsetzen, damit gestohlene Passwörter nicht genügen.
- DMARC durchsetzen, Anhänge in einer Sandbox prüfen und Links umschreiben.
- Ungewöhnliche Anfragen über einen zweiten Kanal verifizieren.