Rechteausweitung (Privilege Escalation) bezeichnet das Erlangen höherer Zugriffsrechte als ursprünglich gewährt – etwa wenn aus einem normalen Benutzerkonto ein Administrator oder root wird.
Wie Rechteausweitung funktioniert
- Vertikale Rechteausweitung erhöht die Rechte: vom Benutzer zum Administrator, von einer App zum Betriebssystemkern.
- Horizontale Rechteausweitung verschafft Zugriff auf ein anderes Konto derselben Stufe, zum Beispiel auf die Daten eines anderen Kunden in einer Webanwendung.
Typische Wege zur Rechteausweitung:
- Fehler in Kernel und Treibern, etwa Dirty Pipe (CVE-2022-0847) unter Linux;
- Lücken in privilegierten Diensten wie PrintNightmare in der Windows-Druckwarteschlange;
- falsch konfigurierte sudo-Regeln und Dateirechte;
- gespeicherte oder wiederverwendete Admin-Passwörter;
- Schwächen im Active Directory.
Microsoft nennt diese Fehlerklasse „Elevation of Privilege“ (EoP); sie taucht in fast jedem monatlichen Patchday auf.
Warum Rechteausweitung wichtig ist
Der erste Zugang – ein per Phishing infizierter Laptop oder ein gehackter Webserver – läuft meist mit eingeschränkten Rechten. Um Schutzprogramme abzuschalten, Zugangsdaten auszulesen, ein Rootkit zu installieren oder Ransomware im ganzen Netz zu verteilen, brauchen Angreifer Administrator- oder SYSTEM-Rechte.
Deshalb werden lokale Exploits zur Rechteausweitung mit Remote-Exploits verkettet. Sie sind ein Standardschritt vor der lateralen Bewegung.
Schutzmaßnahmen
- Wenden Sie das Prinzip der minimalen Rechte an: keine tägliche Arbeit mit Admin-Konten, eigene Admin-Arbeitsplätze.
- Aktualisieren Sie Betriebssysteme und Treiber zügig und blockieren Sie bekannte verwundbare Treiber.
- Nutzen Sie eindeutige lokale Admin-Passwörter (Windows LAPS) und entfernen Sie unnötige sudo- und Dienstrechte.
- Überwachen Sie neue Mitglieder in Admin-Gruppen, verdächtige Token-Manipulationen und deaktivierte Schutzsoftware.