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Unsichere signierte UEFI-Shims: Risiko für Secure-Boot-Linux-Systeme

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CyberSecureFox Editorial Team

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Forschende von ESET haben 11 veraltete UEFI-Bootloader (sogenannte shim) identifiziert, die von Microsoft signiert sind, auf den meisten UEFI-Systemen weiterhin als vertrauenswürdig gelten und zur Umgehung von Secure Boot eingesetzt werden können. Die Schwachstelle betrifft jedes Gerät, das dem Zertifikat Microsoft Corporation UEFI CA 2011 vertraut – unabhängig vom installierten Betriebssystem. Ein Angreifer mit administrativen Rechten oder Zugriff auf den Boot-Prozess kann den aktuellen Bootloader durch einen veralteten ersetzen, beliebigen Code vor der Initialisierung des OS ausführen und einen UEFI-Bootkit ausrollen, der von Sicherheitslösungen nicht erkannt wird. Microsoft hat die verwundbaren Bootloader im Rahmen des Patch-Tuesday-Updates im Juni 2026 widerrufen. Den Problemen wurden die Kennungen CVE-2026-8863 und CVE-2026-10797 zugewiesen.

Mechanismus der Schwachstelle: Warum alte Bootloader gefährlich sind

Shim ist ein schlanker Bootloader mit Open-Source-Code, der als Vermittler zwischen der Firmware des Mainboards und dem Betriebssystem fungiert. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Bootfähigkeit von Linux-Distributionen bei aktiviertem Secure Boot sicherzustellen. Die Vertrauenskette sieht wie folgt aus: Die UEFI-Firmware prüft die Signatur von shim anhand des in der Firmware gespeicherten Microsoft-CA-Zertifikats; shim validiert den Second-Stage-Bootloader (in der Regel GRUB 2) anhand eines eingebetteten Herstellerzertifikats; GRUB 2 prüft mit demselben Zertifikat den Kernel.

Nach Angaben von ESET liegt das Problem nicht in einer neuen Schwachstelle, sondern darin, dass veraltete shim-Versionen (hauptsächlich 0.9 und älter) signiert und vertrauenswürdig blieben, obwohl die zugrunde liegenden Schwächen im Upstream-Projekt bereits längst behoben waren. Wie CERT/CC feststellte, aktualisierten die Hersteller ihre Bootloader nach Veröffentlichung der Patches nicht, und Microsoft nahm sie nicht in die DBX-Sperrliste auf. Dies führte zu einer langfristigen Schwachstelle in der Lieferkette: Veraltete Boot-Komponenten wurden weiterhin auf vollständig gepatchten Systemen ausgeführt.

Der Angriff folgt dem BYOVD-Prinzip (Bring Your Own Vulnerable Driver): Der Angreifer bringt eine Kopie eines alten, aber weiterhin vertrauenswürdigen shim-Binaries mit. Dies reicht aus, um sowohl den Mechanismus Machine Owner Key (MOK) als auch Secure Boot Advanced Targeting (SBAT) auszuhebeln – Systeme, die eigentlich dem Widerruf verwundbarer Boot-Komponenten dienen.

Betroffene Produkte

Nach Angaben der Forschenden wurden verwundbare shim-Bootloader in den folgenden Produkten eingesetzt:

  • Spyrus WTGCreator – shim Version 0.7 und älter
  • Red Hat Enterprise Linux 7.2 – shim Version 0.9
  • Red Hat CentOS 7.2 – shim Version 0.9
  • baramundi Management Suite (bis 2024R1) – shim Version 0.8
  • WhiteCanyon/Blancco WipeDrive (8.0.0–8.1.3) – shim Version 0.7
  • Abitti 1 (Finnischer Prüfungsausschuss, Version 1.0) – shim Version 0.8
  • ROSA Linux (R10, R9) – shim Version 0.9
  • Oracle Linux 7.2 – shim Version 0.9
  • PC-Doctor Service Center (15, 16) – shim Version 0.9
  • OpenSUSE UEFI Shim loader – shim Version 0.9
  • OpenSUSE Shim 2.1 – shim Version 0.9

Hinweis: Die Liste der betroffenen Produkte basiert auf Angaben von ESET und wird in den verfügbaren Quellen nicht durch individuelle Herstellerhinweise bestätigt.

Technische Details zu den CVEs

CVE-2026-8863 bezieht sich auf die Möglichkeit, veraltete, aber nicht widerrufene shim-Bootloader zur Umgehung von Secure Boot zu verwenden. CVE-2026-10797 betrifft ein bereits zuvor behobenes Problem in shim, das es erlaubte, den Zertifikatswiderrufsmechanismus durch Modifikation des Signatur-Headers des Second-Stage-Bootloaders zu umgehen. CVSS-Bewertungen werden in den verfügbaren Quellen nicht angegeben. Keine der Schwachstellen ist in den CISA-KEV-Katalog aufgenommen, und bestätigte Ausnutzungen in realen Angriffen sind bislang nicht dokumentiert.

ESET betont, dass das Auslaufen des Zertifikats Microsoft Corporation UEFI CA 2011 (27. Juni 2026, gemäß der Microsoft-Dokumentation) für sich genommen keinen Einfluss auf den Secure-Boot-Verifizierungsprozess hat. Bootloader, die mit einem abgelaufenen Zertifikat signiert sind, gelten weiterhin als vertrauenswürdig, solange sie nicht explizit per Hash widerrufen werden.

Einschätzung der Auswirkungen

Die Bedrohung betrifft ein breites Spektrum an Systemen – von Enterprise-Servern auf Basis von Red Hat und Oracle Linux bis hin zu spezialisierten Lösungen wie Systemen zur Remote-Datenlöschung (WipeDrive) und Prüfungsplattformen (Abitti). Da der Code vor der Initialisierung des Betriebssystems und der Sicherheitsmechanismen ausgeführt wird, können bösartige Bootloader sowohl von EDR-Lösungen als auch von eingebauten OS-Sicherheitsfunktionen unentdeckt bleiben. Nach Angaben der Forschenden ermöglicht eine Kompromittierung auf Bootloader-Ebene Persistenz, die Neustarts und in einigen Fällen sogar eine Neuinstallation des Betriebssystems überdauert.

ESET hebt besonders hervor, dass die Einstiegshürde für Angreifer gering ist: Komplexe Exploits sind nicht erforderlich – eine Kopie eines alten, vertrauenswürdigen, aber nicht widerrufenen shim-Binaries und ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise von UEFI-Bootloadern genügen.

Empfehlungen

  • Installieren Sie das Patch-Tuesday-Update vom Juni 2026, das den Widerruf der verwundbaren shim-Bootloader durch ein Update der DBX-Liste umfasst.
  • Prüfen Sie die shim-Version auf Linux-Systemen mit aktiviertem Secure Boot. Versionen 0.9 und älter müssen umgehend aktualisiert werden.
  • Stellen Sie sicher, dass die DBX-Sperrliste in der UEFI-Firmware aktuell ist. Auf Systemen, die Windows-Updates nicht automatisch beziehen (Linux-Server, Spezialgeräte), kann das DBX-Update manuelles Eingreifen erfordern.
  • Führen Sie ein Audit der Boot-Partitionen durch, um veraltete shim-Binaries aufzuspüren – insbesondere auf Systemen, die die oben aufgeführten betroffenen Produkte einsetzen.
  • Beschränken Sie physischen Zugriff und administrative Rechte auf kritischen Systemen, da für eine Ausnutzung die Möglichkeit zur Modifikation des Boot-Prozesses erforderlich ist.
  • Organisationen, die baramundi Management Suite, WipeDrive oder PC-Doctor verwenden, sollten ihre Hersteller kontaktieren, um aktualisierte Versionen mit aktuellen shim-Bootloadern zu erhalten.

Dieser Fall zeigt ein systemisches Problem im Secure-Boot-Ökosystem: Ein vertrauensbasiertes, signaturgestütztes Modell funktioniert nur, wenn kompromittierte Komponenten zeitnah widerrufen werden. Organisationen, die Linux-Systeme mit Secure Boot betreiben, sollten vorrangig sicherstellen, dass das DBX-Update vom Juni 2026 auf allen Geräten angewendet wurde – einschließlich jener, die nicht über Windows Update verwaltet werden. Gerade diese Systeme bleiben besonders anfällig für Angriffe mit veralteten Bootloadern.


CyberSecureFox Editorial Team

Die CyberSecureFox-Redaktion berichtet über Cybersecurity-News, Schwachstellen, Malware-Kampagnen, Ransomware-Aktivitäten, AI Security, Cloud Security und Security Advisories von Herstellern. Die Beiträge werden auf Grundlage von official advisories, CVE/NVD-Daten, CISA-Meldungen, Herstellerveröffentlichungen und öffentlichen Forschungsberichten erstellt. Artikel werden vor der Veröffentlichung geprüft und bei neuen Informationen aktualisiert.

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